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TagsAristotle Plato Golden Rule Transcendence (Philosophy) Altruism
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Table of Contents
                            50 Schlüsselideen – der Menschheit (2012)
Inhalt
Einleitung
PHILOSOPHIE
	01 Platonismus
	02 Aristotelismus
	03 Die Goldene Regel
	04 Altruismus
	05 Freiheit
	06 Toleranz
	07 Skeptizismus
	08 Vernunft
	09 Strafe
	10 Materialismus
	11 Relativismus
	12 Utilitarismus
	13 Existenzialismus
RELIGION
	14 Das Böse
	15 Schicksal
	16 Seele
	17 Glaube
	18 Fundamentalismus
	19 Atheismus
	20 Säkularismus
	21 Kreationismus
POLITIK
	22 Krieg
	23 Pflicht
	24 Utopie
	25 Liberalismus
	26 Demokratie
	27 Konservatismus
	28 Imperialismus
	29 Nationalismus
	30 Multikulturalismus
	31 Gesellschaftsvertrag
	32 Republikanismus
	33 Kommunismus
	34 Faschismus
	35 Rassismus
	36 Feminismus
	37 Islamismus
WIRTSCHAFT
	38 Kapitalismus
	39 Globalisierung
KUNST
	40 Klassizismus
	41 Romantik
	42 Moderne
	43 Surrealismus
	44 Zensur
WISSENSCHAFT
	45 Evolution
	46 Gaia
	47 Chaos
	48 Relativität
	49 Quantenmechanik
	50 Der Urknall
Glossar
Index
                        
Document Text Contents
Page 1

Ben Dupré

50schlüsselideen dermenschheit
S a c h b u c h

Page 2

Ben Dupré

50 Schlüsselideen der

Menschheit

Aus dem Englischen übersetzt von Regina Schneider

S~

Page 105

Politik104

26 Demokratie
Es besteht heute quer durch alle politischen Spektren, von links bis rechts,
ein außergewöhnlicher und nie dagewesener Konsens, dass die Demokratie
als Regierungsform allen anderen Regierungsformen vorzuziehen ist.
„Demokratisch“ ist heute in vielen politischen Kontexten ein Synonym für
„legitim“. Ein Kuriosum daran ist, dass viele Regierungssysteme, die sich
nach dem üblichen Verständnis des Wortes nie und nimmer als „demokra-
tisch“ qualifizieren würden, sich das Wort nichtsdestotrotz auf die Fahnen
geschrieben haben. So auch die frühere DDR, die Deutsche Demokratische
Republik, ein repressiver und autoritärer Einparteienstaat.

Abgesehen von Etikettenschwindeln dieser Art, waren die Demokratisierungspro-
zesse, die im vergangenen Jahrhundert rund um den Globus stattgefunden hatten,
doch sehr beeindruckend. Grobe Schätzungen seitens verschiedener unabhängiger
Beobachter stimmen überein, dass im Jahr 2000 in etwa die Hälfte der Weltbevöl-
kerung die Vorzüge politischer Institutionen genossen, die historisch betrachtet in
hohem Maße demokratische Herrschaft bieten.

Die rasche Ausbreitung der Demokratie im 20. Jahrhundert erklärt sich teilweise
durch das eklatante Scheitern von Alternativen. In einer Rede vor dem Unterhaus
kurz nach dem Sieg über den Faschismus sprach Winston Churchill die folgenden
berühmten Worte: „Die Demokratie ist die schlechteste Staatsform, ausgenommen
all diese anderen, die man von Zeit zu Zeit ausprobiert hat.“ Innerhalb eines halben
Jahrhunderts war der Erzrivale der Demokratie, der Kommunismus, in Russland
und Osteuropa grandios gescheitert.

Die Welt zeigt sich derzeit so sehr besessen von der Demokratie, dass man darü-
ber leicht vergisst, wie jung dieses Phänomen eigentlich ist. Noch in den letzten
zweieinhalb Jahrtausenden war fast jeder politische Philosoph ganz entschieden ge-
gen die Demokratie, in der Theorie und auch in der Praxis. Die Demokratie sei,
so der allgemeine Vorwurf, zu anarchisch und kaum besser als die Herrschaft des
Pöbels, während sich die konkrete Kritik darauf kaprizierte, ob das gemeine Volk es
überhaupt vermag, an regierungspolitischen Prozessen teilzunehmen. Selbst ein
Kritiker wie J. S. Mill, der demokratischen Prinzipien generell sehr zugetan war,
äußerte sich nichtsdestotrotz tief besorgt über das „kollektive Mittelmaß“ der Vie-

Zeitleiste
507 v. Chr.
Kleisthenes führt
demokratische Reformen
in Athen ein

1690
Locke sieht in der Zustimmung
des Volkes die Grundlage der
staatlichen Autorität

1651
Hobbes diskutiert das Gleich-
gewicht zwischen Staatsmacht
und individueller Freiheit

Page 106

Demokratie 105

len, „die sich ihre Meinungen [nicht länger] von Würdenträgern
aus Staat und Kirche, von vorgeblichen Führern oder von Bü-
chern holen“. H. L. Mencken, amerikanischer Schriftsteller und
Satiriker, formulierte dies in den zwanziger Jahren des vergan-
genen Jahrhunderts etwas markiger: „Demokratie ist ein pathe-
tischer Glaube an die kollektive Weisheit der individuellen
Ignoranz.“

Griechenland und die direkte Demokratie Scharfe Kritik an der demokrati-
schen Regierungsform reicht bis in ihre Kinderzeit in dem Stadtstaat Athen zurück,
der im Allgemeinen als die „Wiege der Demokratie“ gilt. (Das Wort selbst kommt
aus der griechischen Sprache und bedeutet „Herrschaft des Volkes“). Das System
der Volksherrschaft, das von den Athenern Schritt für Schritt errichtet wurde, stellt
die wohl reinste Form einer direkten Demokratie dar, die je realisiert worden ist.
Herzstück dieses Systems, das vom athenischen Staatsmann Kleisthenes eingeführt
wurde, bildete die Ekklesia, die Volksversammlung, die allen wahlfähigen Bürgern
offenstand (allen männlichen Athenern über achtzehn Jahre). Die Ekklesia trat re-
gelmäßig zusammen, um wichtige Staatsangelegenheiten zu besprechen und kam
über die Abstimmung per Handzeichen auf Basis der einfachen Mehrheit aller An-
wesenden zu Entscheidungen. Ein wahres Loblied auf die Tugenden dieser demo-
kratischen Athener (zumindest nach den Aufzeichnungen des Thukydides) stimmt
der attische Führer Perikles in einer Grabrede 430 v. Chr. mit allem Nachdruck an.
Er rühmt die Verfassung, die „die Bedürfnisse der Vielen, nicht der Wenigen“ be-
günstigt und betont die Bedeutung von Freiheit und Gleichheit aller vor dem Gesetz
sowie die politische Beförderung auf Basis von Leistung und Verdienst, nicht von
Reichtum oder Klasse.

Ein solcher Enthusiasmus wurde von den beiden einflussreichsten griechischen
Philosophen, Platon und Aristoteles, ausdrücklich nicht geteilt. Beide schrieben im
darauffolgenden Jahrhundert, nach der verheerenden Niederlage Athens 404 v. Chr.
durch die zutiefst autoritären Spartaner, einem Desaster, das ihre gemeinsame Sicht-
weise prägte, dass die Demokratie chronisch aufsässig, korrupt und instabil sei.
„Demokratie ist eine reizvolle Regierungsform“, kommentierte Platon giftig, „vol-
ler Unordnung, die Gleichheit auf Gleiche und Ungleiche gleichermaßen verteilt“.
Und nach Aristoteles’ nachhaltiger einflussreicher Klassifikation der politischen
Systeme ist die Demokratie die korrupte oder pervertierte Form der „Politie“, einer
idealen Einrichtung, in der die Vielen auf das eine Ziel des Gemeinwohls hin regie-
ren. In einer Demokratie hingegen ist es so, dass diejenigen, die die Macht haben
(die unteren Gesellschaftsschichten), im eigenen Interesse regieren und deshalb zu

‚Demokratie bedeutet
einfach nur das Nieder-
knüppeln des Volkes
durch das Volk‘Oscar Wilde, 1891

1787
Die US-Verfassung definiert
die Mechanismen der demo-
kratischen Regierung

1789–1799
Erste radikale Demokratie-
formen während der
Französischen Revolution

1945
Ende des Zweiten Weltkriegs
markiert die Niederlage des
Faschismus

1989
Kommunistische Regime in
der Sowjetunion und Osteuropa
brechen zusammen

Page 209

208

Titel der Originalausgabe:
50 Big Ideas You Really Need to Know

Copyright © Ben Dupré 2010
Published by arrangement with Quercus Publishing PLC (UK)

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Titelbild: © Shutterstock ARCHITECTE®

Redaktion: Dr. Christian Wolf
Satz: TypoDesign Hecker, Leimen

ISBN 978-3-8274-2907-0

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